An
der Alheimer Lindenschule war an diesem Tage vieles anders als sonst.
Auf dem Stundenplan standen nicht Mathe, Deutsch oder Englisch, sondern
es ging um den Bau von Nistkästen, das Backen von Roggenbrötchen und
das Pflanzen eines Baumes. Und vorne standen diesmal nicht die
Lehrerinnen und Lehrer der Lindenschule, sondern ältere Natur- und
Umweltexperten aus der Region.
Knapp 40 so genannte Senioren zwischen 55 und 75
Jahren haben seit 2003 am Umweltbildungszentrum Licherode den Lehrgang
zum „Umwelttrainerschein für Senioren“ mit gemacht und dabei ihr
eigenes „Lebensthema“ pädagogisch aufbereitet. Über 20 von ihnen nehmen
nun am aktuellen Licheröder Forschungsvorhaben teil, das herausfinden
will, wie man die Umwelttrainer erfolgreich an Schulen und Kindergärten
einsetzt. An sechs Schulen und Kindergärten in Alheim und Rotenburg
bieten die Senior-Umweltexperten zurzeit ihre Projekte an, gefördert
wird der Modellversuch von der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart und den
Lernenden Regionen Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner.
„Mit
dem Projekttag an der Lindenschule wollten wir zeigen, welches
Potenzial in den Senior-Umwelttrainern steckt,“ so Projektleiter Klaus
Adamaschek vom Umwelt-bildungszentrum Licherode. Und das ist
eindrucksvoll gelungen: 11 Senior-Umwelttrainer gestalteten einen
abwechslungsreichen und spannenden Tag für alle 3. und 4. Klassen der
Lindenschule. Jedes der über 120 Schulkinder konnte an dem Vormittag
zwei Projekte durchführen, die jeweils gut zwei Stunden dauerten.
Der Imker Rüdiger Küllmar z. B. zeigte Faszinierendes aus dem Leben der
Honigbienen, und jedes Kind konnte sich seine eigene „Summbiene“
basteln. Bei Gertrud Leiter aus Licherode wurden Farben aus
Naturmaterialien wie z. B. Rotkraut hergestellt und zum Einfärben eines
Bilderrahmens genutzt. Energieexperte Harald Wersich aus Felsberg ging
mit den Kindern auf die Suche nach versteckten Energiefressern im
Haushalt und ließ jedes Kind auf dem Energiefahrrad selber Strom
erzeugen. Und der Hobby-Astronom Karl-Heinz Gundlach erläuterte mit
Taschenlampe und selbst gebasteltem Modell des Sonnensystems, wie Tag
und Nacht entstehen, und jedes Kind konnte sein selbst gebasteltes
„Erde-Mond-Modell“ mit nach Hause nehmen.
Und
ab Mittag wurden die Ergebnisse der Projekte dann voller Stolz der
Öffentlichkeit präsentiert. Zahlreiche Eltern waren der Einladung
gefolgt und schauten sich begeistert an, was die „Jungen und Alten“
gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Unter den Besuchern war auch
Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke. „Die Kinder können von den
Senior-Umwelttrainern Wichtiges lernen. Liebe zur Natur, Sorgfalt im
Umgang mit der Umwelt und natürlich auch einfache Alltagskompetenzen
wie z. B. Sägen oder Backen,“ lobte Lüdtke das Konzept des
Umwelttrainer-Projekts.
Voll des Lobes war auch Angelika Adamaschek vom Projekt Lernende
Regionen im Staatli-chen Schulamt Bebra. „Die Senior-Umwelttrainer
übernehmen eine wichtige Scharnierfunktion zwischen der durch
Stundenplan und Rahmenrichtlinien eingeengten Schulrealität und dem
alltäglichen Leben. Sie zeigen, wie Schule lebensecht sein kann.“
Schulleiterin Gabriele Schimka bedankte sich abschließend bei allen,
die den eindrucksvollen Projekttag mitgestaltet hatten. „Die Angebote
der Senior-Umwelttrainer sind eine echte Bereicherung für jede Schule,“
so ihr Fazit.