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Mitreißende Liedernacht

Nordhessen trifft Italien in Licherode

Westcoast- und Songwriter-Musik der Extraklasse, beeindruckende Fotoimpressionen aus dem Fuldatal, intelligent-sprühendes Kabarett und eine kulinarische Reise - es war schon außergewöhnlich, was zum Jubiläum von „Kultur am Ende der Straße“ im restlos ausverkauften Licheröder Pavillon geboten wurde.

Den Anfang macht die Gruppe „Bittersweet" aus Brescia in Italien mit Westcoast-Musik aus den 70ern. Umberto di Lena (Gitarre, Harmonica), Angela Bassani (Percussion), Fabio Gaffurini (Gitarre) und Andrea Bettini (Piano, Akkordeon) begeisterten das Publikum mit virtuoser Spielkunst und perfektem Harmoniegesang. Herausragend die Interpretation des Joan Baez-Songs „Diamonds and Rust“, und natürlich der mitrei-ßende Chorgesang beim Eagles-Klassiker „Seven bridges road“.

Dann folgte die Eröffnung der beeindruckenden Fotoausstellung „Impressionen aus der Fuldaaue“ von Joachim Wagner aus Rotenburg. „Immer wieder werde ich gefragt, wo diese Bilder denn gemacht wurden. Viele ahnen nicht, welch wunderbare Motive sich direkt vor unserer Haustür finden“, so der Fotograf in seiner Einführung. Und dazu gab es, wie in jeder Pause, feine Spezialitäten aus der Licheröder Küche. Ilona Heußner und ihr Team hatten original italienische Rezepte mit Bio-Zutaten aus unserer Region zubereitet. Bei Bruschetta, Minestrone und Ricotta aus Nordhessen griffen die Gäste begeistert zu.

Und dann folgte der Sänger und Songwriter Shiregreen. Unterstützt von seinem Sohn Paul (Piano, Percussion, Bass) interpretierte Klaus Adamaschek diesmal vor allem Stücke bekannter Folk- und Country-Größen, er stellte aber auch brandneue eigene Lieder vor. Mit bewusst spärlicher Instrumentierung und seiner sanften Bassstimme erzeugt Shiregreen ein Höchstmaß an Intensität. Beeindruckend insbesondere der fast schwebende Kristofferson-Song „Loving her was easier“ und der Shiregreen-Titel „Coming home“, der sogar erfolgreich in den USA im Radio läuft.

In der nächsten Musikpause war dann Satire angesagt. Der schwäbische Kleinbauer Erwin Hägele alias Johannes Lutz begeisterte mit einem Mentalitäts-Vergleich zwischen Brescia und Nordhessen - klarer Punktgewinner war Norditalien. „Wir in Hessen haben Probleme mit unseren Pisa-Ergebnissen, und die in Italien machen sogar aus ihrem schiefen Turm noch Geld“, so Hägele. „Vielleicht sollten die Nordhessen mehr Pasta essen“, lautete seine Empfehlung.

Und um Mitternacht wurde es dann richtig voll auf der kleinen Bühne im Pavillon, als Bittersweet und Shiregreen gemeinsam auftraten. Sechs Instrumente und sechs Stimmen, das war wahrhaft ein opulenter Ohrenschmaus … und eine Herausforderung für die Tontechnik, die Lothar Vaupel am Mischpult souverän meisterte. Neben bekannten „Hippie-Hymnen“ von Neil Young und Crosby, Stills & Nash gab es dann auch das Stück zu hören, das die beiden Gruppen via Internet zusammen geführt hatte: der Song „Bittersweet“ vom aktuellen Shiregreen-Album „Dreams and shadows“.

Und als dann der blinde Bittersweet-Pianist Andrea Bettini um ein Uhr als letzte Zugabe das Weihnachtslied „Go tell it on the mountain“ anhob und dazu selbstgebackene Plätzchen und Winterpunsch gereicht wurden, war die Stimmung auf dem absoluten Höhepunkt. Fast sechs Stunden Programm – und nicht einer unter den 80 Zuschauern, der nicht bis zur letzten Minute begeistert ausgeharrt hätte.


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